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Was macht einen attraktiven Arbeitgeber aus? Generation Z will andere Führung
In den Unternehmensleitungen dominieren Führungskräfte der Generationen Baby-Boomer und X. Ihre Erfahrungen und Wertvorstellungen prägen die heutigen Anreizsysteme und Führungsinstrumente. Treffen sie damit auch die Erwartungen der Generation Z?
Fachkräftemangel und Wertewandel als grosse Herausforderungen
Die Nachfrage nach Arbeitskräften in der Schweiz wächst viel stärker als das Angebot. Gemäss einer UBS-Studie aus dem Jahr 2019 fehlen in der Schweiz in den nächsten zehn Jahren bis zu einer halben Million Arbeitskräfte. Aber auch vor dem Hintergrund des Wertewandels in unserer Gesellschaft erhält die Thematik der Personalgewinnung, -entwicklung und -erhaltung eine ganz neue Bedeutung. Die heutigen Führungsaufgaben erfordern ein hohes Mass an Individualität und situativer Herangehensweise. Die Führungskräfte führen Teams mit bis zu vier verschiedenen Generationen, welche sich deutlich voneinander unterscheiden und anders geführt werden wollen. Damit steigt auch das Potenzial für Missverständnisse oder Konflikte.
Die Alten kritisieren die Jungen – und umgekehrt
Konflikte zwischen den Generationen gab es schon immer. Schon Sokrates beklagte sich vor über 2500 Jahren über die damalige Jugend: «Die heutige Jugend liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet Autorität. Sie widerspricht ihren Eltern, legt die Beine übereinander und tyrannisiert ihre Lehrer.» Was sich im Gegensatz zur Zeit von Sokrates verändert hat, ist die Tonart und Verbreitung von Kritik. Dies ist auch den sozialen Netzwerken geschuldet. Die Generation Z ist digitaler als jede Vorgängergeneration. Eine Welt ohne Internetzugang haben die Angehörigen der Generation Z nie kennengelernt. Das Smartphone ist das universelle Gerät im Alltag, und Onlinesein ist Teil des Lebens.
So tickt die Generation Z
Die Generation Z stellt hohe Erwartungen an die Konsistenz von Auftritt, Bild, Text, Sprache und Verhalten von Institutionen. Diskrepanzen führen zu einer unmittelbaren Urteilsbildung oder sogar Verurteilung. Wenn z.B. Aussagen auf der Unternehmenswebseite bei Nachfrage bei Bekannten, im Unternehmen oder auf Bewertungsportalen nicht übereinstimmen, dann führt das zu einem kaum zu korrigierenden Imageschaden. Ein weiteres Merkmal der Generation Z ist das im Vergleich zu den Vorgängergenerationen viel engere Verhältnis zu den Eltern, welches die Wahrnehmung von Nähe, Distanz und Hierarchie im Arbeitsleben prägt. So ist z.B. ein «jovialer» Umgang mit dem Chef kein Zeichen für Respektlosigkeit, sondern Ausdruck eines als positiv erlebten Verhältnisses auf Augenhöhe. Die jungen Mitarbeitenden fordern Transparenz und einen hohen Einbezug in die Entscheidungsfindung. Gleichzeitig zeichnen sie sich durch weniger Durchhaltevermögen und Eigenverantwortung aus als ihre Vorgängergenerationen. Vom Arbeitgeber erwarten sie viel Flexibilität und Spontaneität bei gleichzeitig exaktem Erwartungsmanagement ihnen gegenüber. Eine weitere Besonderheit ist die Ablehnung von Konzepten wie «Work-Life-Balance» oder «Work-Life- Blending». Sie trennen strikt zwischen Arbeit und Leben, auch durch die Erfahrung mit den damit verbundenen (negativen) Konsequenzen bei ihren Eltern.
Die oben aufgeführten Aspekte unterscheiden sich deutlich von der Art und Weise, wie die heutigen Führungskräfte ihren Karriereweg erlebt haben und wie sie geführt wurden. Somit reicht also die kritische Selbstreflexion «was hat bei mir funktioniert und was hätte ich mir damals gewünscht» nicht aus. Vielmehr ist ein tiefes Verständnis der Besonderheiten der Generation Z für die erfolgreiche Führung notwendig. Nachfolgend sind die wichtigsten Do’s and Don’ts im Umgang mit der Generation Z aufgeführt:
• Work-Life-Separation: Berufliches und Privates werden lieber getrennt. Homeoffice? Nein, danke! (Anm. d. Red.: Stand vor der Corona-Pandemie).
• Eigener Schreibtisch: Mobiles Büro und Open-Space-Strukturen waren gestern. Privatsphäre und überschaubare Strukturen sind wichtig. Somit sind bei der Neuplanung ruhige Einzelschreibtische in Bürolandschaften zu integrieren.
• Feste Arbeitszeiten: Die Arbeit klar regeln, Arbeitszeiten zwischen 9 und 5 Uhr bevorzugt. Überstunden nur in Ausnahmefällen und wenn die Arbeit auch wirklich interessiert.
• Exakte Stellenbeschreibung: Das Learning by Doing der Generation Y ist nichts für die Generation Z. Sie will schon im Inserat genau wissen, was sie erwartet, und sich entsprechend vorbereiten.
• Festes Gehalt: Die Generation Z ist karrierebewusst, aber nicht um jeden Preis. Ein festes Gehalt wird bevorzugt, und die leistungsorientierte Mentalität der Generation Y ist ihr eher fremd.
Interview mit Nathalie Leschot
Nathalie Leschot ist seit 2011 Personalverantwortliche der Stadt Biel. Als Leiterin eines Teams von 20 Mitarbeitenden und in der Beratung der Führungskräfte der Stadtverwaltung mit über 2500 Mitarbeitenden ist sie mit den Herausforderungen der Führung im Generationenmix vertraut. Was macht einen attraktiven Arbeitgeber aus? Generation Z will andere Führung In den Unternehmensleitungen dominieren Führungskr.fte der Generationen Baby-Boomer und X. Ihre Erfahrungen und Wertvorstellungen prägen die heutigen Anreizsysteme und Führungsinstrumente. Treffen sie damit auch die Erwartungen der Generation Z? Text und Interview von Dr. Michèle Etienne
Welche Veränderungen haben Sie seit Ihrem Stellenantritt 2011 in der Rekrutierung erlebt?
Die Suche nach Fach- und Führungskräften ist anspruchsvoller geworden. Biel ist als zweisprachige Stadt zudem mit der Besonderheit konfrontiert, dass wir Personen suchen, die sowohl Französisch als auch Deutsch verstehen und sprechen. Weiter spielen die politischen Ziele eine wichtige Rolle. Aktuell setzen wir den Akzent auf die Parität von Frau und Mann und auf mehr Frankophone auf Kaderstufe. Als Verwaltung werden wir oft als weniger attraktive Arbeitgeberin wahrgenommen. Dies oft zu Unrecht, so bietet die Bieler Verwaltung nebst ihrer Vielseitigkeit auch die Möglichkeit, Teilzeit oder im Jobsharing zu arbeiten, und wir bieten interessante Anstellungsbedingungen.
Welches sind aus Ihrer Sicht typische Werte, Erwartungen und Verhaltensweisen der Generation Z?
Die Generation Z legt viel Wert auf die Qualität von Beziehungen und auf die Arbeitsumgebung. Wie sie sich am Arbeitsplatz und im Arbeitsalltag fühlt, ist wichtig. Die Zusammenarbeit ist oftmals wichtiger als der Lohn. Gelingt es dem Arbeitgeber, eine positive Arbeitsumgebung zu schaffen und eine auf den Menschen fokussierte Betriebskultur zu entwickeln, sind die Perspektiven zur langfristigen Bindung mit der Generation Z höher. Die Sinnhaftigkeit der Arbeit steht für die Vertreter dieser Generation im Zentrum. Man arbeitet gern in mehreren Projekten parallel und möglicherweise auch für mehrere Arbeitgeber gleichzeitig.
Welche Erfahrungen machen Sie als Führungskraft in Ihrem Team?
Der Mix der Generationen ist spannend und herausfordernd. Jede und jeder ist anders, deshalb sind unterschiedliche Herangehensweisen bei der Führung zentral. Wichtig ist die gemeinsame Vision. Das Team will mitdenken und setzt sich für die Zukunft ein. Die Mitarbeitenden sind beweglicher geworden und haben mehr Mut zum Experiment. Achtsamkeit hat in den letzten Jahren mehr Platz eingenommen.
Welche Empfehlungen haben Sie für die Führungskräfte hinsichtlich der Generation Z als Mitarbeitende?
Ein klares Aufgabengebiet, in dem sie sich frei bewegen können, Leadership und Anerkennung – wenn die Beziehung stimmt, dann kommt auch der Output.
